Steckbrief Maran Alsdorf (M.A.)

Tja, wo soll ich da anfangen?
Ich lernte ihre Familie 1966 kennen, Maran war damals gerade acht Jahre alt. Marans Mutter, die mir für viele Jahre eine wunderbare Freundin war (leider starb sie viel zu früh), unterhielt damals einen Literatursalon, in dem sich vierzehntägig die unterschiedlichsten Frauen trafen, um über Bücher zu sprechen und vorallem um Bücher zu tauschen. Dieser Salon hatte mehr Zulauf, als manche Leihbücherei.
Und manchmal "kiebitze" dabei ein kleines Mädchen, hörte gespannt zu, nickte oder schüttelte den Kopf und gab lautlose Kommentare ab, die man ihr nur von den Lippen ablesen konnte. Ich begriff relativ schnell, dass sie die diskutierten Bücher auch gelesen hatte und mich packte die Neugier. Wieviel hatte dieses kleine Mädchen wohl davon verstanden?
Ich folgte ihr eines Tages in ihr Zimmer - dessen eine Wand komplett von einem Bücherregal eingenommen wurde und das sicher alles an Kinder- und Jugendbüchern enthielt, was zu diesem Zeitpunkt auf dem Markt war - und fragte sie ganz gezielt und völlig schamlos aus.
Natürlich hatte sie alle Bücher gelesen, insbesondere jene, die "nichts für ein Kind" waren. Und sie hatte sie verstanden - von Harold Robbins bis Tennessee Williams, von Agatha Christie bis Günter Grass!
Sie hatte auch ein ganz besonderes Berurteilungskriterium dafür, ob sie das Buch für gut oder schlecht hielt: die Glaubwürdigkeit der Personen. Sie hatte schon damals ein unglaubliches Gespür für psychische Befindlichkeiten und einen äußerst ausgeprägten Gerechtigkeitssinn.
Ausserdem hatte sie eine recht hinterhältige Technik entwickelt, Dinge oder Umstände, die sie nicht kannte oder verstand zu hinterfragen und sich erklären zu lassen. Sie machte das so unauffällig, dass man gar nicht auf die Idee kam, nach dem Warum und Woher zu fragen.
Nachdem also die Katze aus dem Sack war, begannen wir, Maran gezielter mit geeigneter Literatur zu füttern und mir ist heute klar, dass ich meine eigenen Kinder oftmals mit dem "Vorbild Maran" zur Raserei getrieben habe.
Durch lebenslange Übung ist Maran in der Lage extrem schnell zu lesen, und erfreulicherweise hat sie sich ihre Unvoreingenommenheit bewahrt und so ist generell "nichts Gedrucktes vor ihr sicher".
Ich habe die überwiegende Zeit meines Lebens mit Menschen verbracht, die sich in irgendeiner Weise mit Literatur beschäftigen. Aber Maran ist in einem Punkt eine absolute Ausnahmeerscheinung: Sie liest sich auch quer durch alle Gebiete der wissenschaftlichen Fachliteratur. Wenn sie irgendwo auf ein Thema stößt, das sie interessiert, verbeisst sie sich darin wie ein Terrier in seinen Lieblingsknochen und geht der Sache akribisch auf den Grund.
Ich habe es manchmal bedauert, dass Maran keinen "literarischen" Beruf ergriffen hat, aber wenn ich sehe, wie sie die Menschen in ihrer Umgebung mit der "Literaturseuche" infiziert, glaube ich, dass sie damit mehr erreicht, als mancher Lehrer.
Den Literaturzirkel im Internet zu verbreiten - wofür natürlich sie verantwortlich zeichnet - ist auch so ein "Infektionsweg" und es brauchte wahrlich nicht viel Überredung, um mich in diese Sache zu involvieren.
Ich hoffe nur, dass ich mit meinen Empfehlungen auch den Geschmack dieses Leserkreises treffe.

--V.M.M.