Marcus REICHARD: Das Siegel der Finsternis

ORIGINALAUSGABE
Hamburg, Hoffmann und Campe, 02/2009
ISBN 978-3-455-40087-8
528 Seiten, Klappenbroschur, Euro 14,95 [D]


AUTORENPORTRAIT
 

Tenan, ein junger – und zum Leidwesen nicht nur seines Lehrers recht ungeschickter – Adept der Kleinen Magie, findet durch Zufall einen zauberkräftigen Kristall. Während er sich noch voller Naivität und Unschuld fragt, ob dieser Fund ihn aus seinem kleinen Dorf in die weite, aufregende Inselwelt Algarads führen wird, ziehen die Schergen des Todesfürsten Achest mordend und plündernd durchs Land – auf der Suche nach eben jenem Zauberstein.
Es ist Osyn, der alte Magier und ehemalige Dan-Ritter bei dem Tenan in die Lehre geht, der die Gefahr zuerst erkennt. Er sendet Tenan mit dem Meledos, dem Titel gebenden »Siegel der Finsternis«, nach Meledin, der Hauptstadt des Reiches und Sitz des Hochkönigs. Nur dort kann der böse Zauber, der Achest und den Meledos verbindet, gelöst werden. Doch die Helfer des Todesfürsten haben die Spur bereits aufgenommen und jagen den Zauberlehrling ohne Rücksicht auf Verluste.
Die Partei, welche den Meledos zuerst in die Hände bekommt, hat im anstehenden Kampf um das Schicksal von Algarad einen entscheidenden Vorteil. Doch das Böse verlässt sich nicht auf den ungewissen Erfolg bei der Suche nach dem Siegel – an vielen Stellen gleichzeitig dringt es in das Königreich ein. Und selbst in den Reihen der Dan-Ritter findet sich ein Verräter …

Marcus Reichard ist eine neue Stimme im Reigen der Fantasy-Autoren deutscher Zunge. Es gereicht ihm zur Ehre, dass er von der Unmöglichkeit weiß, in diesem momentan an einer gewissen Überproduktion leidenden Genre, komplett neue Ideen zu entwickeln. So nimmt er einige der beliebtesten und bekanntesten Topoi und kombiniert sie zu einem schicken, flott zu lesenden und spannend geschriebenen Jugend-Fantasy-Roman.
Sein Zauberlehrling Tenan gibt die ideale Identifikationsfigur für jugendliche Leser ab, seine Begleiter bilden eine gelungene Mischung aus exotischen Fabelwesen, raubeinigen Piraten mit goldenem Herz und robust-frecher Prinzessin, die dem Helden zwischendurch ordentlich die Leviten liest – und die Handlungsorte der aus vielen Inseln bestehenden Welt Algarad bieten genügend Stoff für ausgiebige Reisebeschreibungen und attraktive Actionszenen.
Eindeutig am besten gefallen hat mir die Einführung der Unterwasserstadt Atala, in der die nichtmenschliche Rasse der Fisk-Hai im Verborgenen lebt und ihr Reich mittels des Arnom Gath, eines künstlich erzeugten Malstroms, beschützt. Dass mir dabei ständig die freundlichen Schlappohren aus der neueren »Star Wars«-Trilogie vor Augen standen, mag Reichard einkalkuliert haben – es trägt jedenfalls deutlich zum Lesegenuss bei.
DAS SIEGEL DER FINSTERNIS ist somit als durchaus gelungenes Debüt (gleichermaßen des Autors wie von Hoffmann und Campe, die bisher keine Fantasy im Programm hatten) zu bezeichnen. Es werden die angekündigten Fortsetzungen zeigen müssen, welchen Platz im hart umkämpften Marktsegment der abenteuerlichen Jugend-Fantasy Marcus Reichard erringen kann – die Chancen für ihn stehen jedenfalls nicht schlecht.

--Regnier Le Dyckt (03/2009)