Ilona Maria HILLIGES: Ein Kind Afrikas

ORIGINALAUSGABE
Reinbek, Wunderlich, 03/2009
ISBN 978-3-8052-0864-2
430 Seiten, Karten auf Vor- und Nachsatz: Ostafrika 1907
gebunden mit Schutzumschlag und Lesebändchen
Euro 19,90 [D]


AUTORENPORTRAIT

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Als einer von wenigen Frauen ist es Amelie von Freyer gelungen, im deutschen Kaiserreich Ärztin zu werden, doch im Berlin des Jahres 1906 findet sie keine Anstellung. Sie kehrt nach Deutsch-Ostafrika zurück, wo sie eine glückliche Kindheit in den Usambarabergen verbracht hat. Da erhält sie vom Berliner Kaufmann Messingnagel das Angebot, eine wissenschaftliche Expedition zu begleiten: Am Tanganjikasee rafft eine Seuche Tausende dahin. Obwohl Amelie an Messingnagels Motiven zweifelt, nimmt sie die Herausforderung an. Doch schon bald wird ihr klar, dass ihre Ahnung sie nicht getrogen hat. Kann ihr der geheimnisvolle Medizinmann Kassei eine Hilfe sein? Oder Stabsoffizier Gustav, ihre verloren geglaubte Jugendliebe?
Die Antwort auf diese Fragen lieferte Ilona Maria Hilliges in ihrem am 21.09.2007 im Wunderlich Verlag erschienenen Roman STERNE ÜBER AFRIKA (544 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag und Lesebändchen, Euro 19,90. ISBN 978-3-8052-0846-8).

In ihrem soeben erschienenen Roman EIN KIND AFRIKAS setzt die Autorin ihre Kolonial-Saga fort.
Amelie von Freyer ist Mitte des Jahres 1907 auf die Familienfarm Salama zurückgekehrt, um inneren Frieden zu finden und sich auf eine große Aufgabe vorzubereiten: die Gründung einer Urwaldklinik, um den Menschen in den Usambarabergen zu helfen. »Bibi dactari, du willst stärker sein als der Tod«, kommentiert ihre schwarze »Mamma« dieses Vorhaben – doch die junge Ärztin setzt sich über alle Vorbehalte hinweg.
Aber die angespannte Situation auf Salama macht ihr schwer zu schaffen: Ihr Bruder Hanns hat mit der Tochter des Vorarbeiters eine kleine Tochter. Amelie hat die dunkelhäutige Lotte in ihr Herz geschlossen. Ganz im Gegensatz zu Professor von Freyer, für den seine Enkelin ein »Bastard« ist. Er will seinen Erstgeborenen enterben. Amelie stellt sich das erste Mal in ihrem Leben gegen ihren Vater. Und macht eine erschreckende Entdeckung: Die kleine Lotte ist dem geheimen Schlangenkult geweiht – mit Wissen von Hanns.
Außerdem lässt die politische Situation keine Ruhe aufkommen, da die Regierung von den Siedlern bessere Erträge erwartet. Die Zukunft der Farm steht in den Sternen.
Endlich trifft Amelies Verlobter Gustav ein, vom dem sie sich Unterstützung erhofft. Doch der Stabsoffizier eröffnet ihr, dass er von Deutsch-Ostafrika zurück ins heimische Berlin versetzt werden soll.
Die Ereignisse auf Salama spitzen sich dramatisch zu … wie Sie durch die Lektüre dieses packenden Romans erfahren können.

Anders als es der etwas unbeholfen entworfene Schutzumschlag vermuten lässt, steht in EIN KIND AFRIKAS kein seelenvolles Blondchen mit sehnsüchtigem Blick im Mittelpunkt der Handlung. Ilona Maria Hilliges’ Heldin ist eine starke kämpferische Frau, die sich im kolonialen Afrika der vorletzten Jahrhundertwende durchzusetzen vermag.
Vertreten durch ihre Protagonistin, aus deren Sicht die Handlung erzählt wird, beginnt die Autorin ein raffiniertes Spiel mit der Haltung ihrer Leser. Sie will ihr Verständnis für eine völlig fremde Kultur in einer längst vergangenen Zeit wecken. Ein Kunststück, das ihr mühelos zu gelingen scheint. Denn Amelie von Freyer ist alles andere als eine perfekte Frau. Sie ist ein Mensch aus Fleisch und Blut, der durch seine Erziehung geprägt ist, der Fehler macht und Illusionen hegt. Sie ist kein Anachronismus, keine Frau mit den Wertvorstellungen des 21. Jahrhunderts. Aber sie ist intelligent, emotional, ungestüm – und lernfähig.
Die Autorin haucht ihren Figuren mit lakonischer Poesie Leben ein, konfrontiert die unterschiedlichsten Charaktere miteinander und mit sehr differenziert ausgearbeiteten Idealvorstellungen und Lebensentwürfen. All ihre Figuren sind gut beobachtet, im Ton präzise getroffen und facettenreich dargestellt.
Geschickt verknüpft Hilliges historische Fakten und afrikanische Mythen miteinander und mit ihrer fiktiven Erzählung. Dabei vermeidet sie gekonnt jedes Klischee und schafft ein atmosphärisch dichtes Bild des kolonialen Afrikas. Sie schildert die Vielfalt und Schönheit der Natur und die Mystik des fremden Kontinents in einer Klarheit, die beim Lesen einen bleibenden Eindruck hinterlässt.
EIN KIND AFRIKAS ist ein – weit über seine 432 Seiten hinaus – starker, berührender Roman.
Uneingeschränkt empfehlenswerte Lektüre!

--Annegret Wegener (04/2009)