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Als Annalena Habrecht 1701 den aufstrebenden Apothekerlehrling Johann Friedrich Böttger kennenlernt, verliebt sie sich Hals über Kopf. Doch Johann hat neben ihr noch eine andere Geliebte: die Alchemie!
Und diese Liebe ist trügerisch, denn sie führt den vermeintlichen Goldmacher in die Kerker Augusts des Starken. Annalena folgt ihm nach Dresden und findet sogar eine Anstellung am Hof.
Doch kann es ihr gelingen, Johann aus den Fängen des mächtigen Kurfürsten zu befreien?
Wer sich ein wenig mit der Geschichte des »Weißen Goldes« befasst hat, weiß, dass Johann Friedrich Böttger (* 4. Februar 1682 in Schleiz; † 13. März 1719 in Dresden), der seit 1710 Leiter der Forschung und der Porzellanmanufaktur Meißen war, erst am 19. April 1714 aus der Haft entlassen wurde. Über sein Schicksal ist einiges bekannt und wurde auch von der historisierenden Literatur aufgegriffen; beispielsweise von Berndt List in seinem faktenreichen und spannenden Buch DER GOLDMACHER (Aufbau Taschenbuchverlag, Berlin 2003, ISBN 3-7466-1970-X).
Corina Bomann stellt jedoch nicht Böttger in den Mittelpunkt ihres Romans, sondern die fiktive Figur Annalena Habrecht. Damit folgt die Autorin zwar dem Schema »Starke Frau wehrt sich gegen die Zwänge der Zeit«, aber dieser Kunstgriff lohnt sich. Denn durch ihre erfundene Protagonistin löst sich Corina Bomann von dem Zwang, sich ausschließlich mit Böttgers intensiv mit dem Sächsischen Hof verknüpfter Umgebung beschäftigen zu müssen und rückt einmal die wenig beachtete Unterschicht jener Zeit in den Fokus.
Annalena Habrecht ist die Tochter des Henkers von Walsrode – und damit für die Dorfgemeinschaft schon »von Haus aus« eine Unperson, eine Unehrliche, mit der man jeden Kontakt meidet. Schon als kleines Mädchen wird Annalena als »Krähenweib« verunglimpft und geschmäht. Sie leidet unter diesen Quälereien – und sie leidet als Erwachsene unter ihrem brutalen Ehemann. Als sie eine Chance sieht, ihrem Schicksal zu entkommen, schert sie sich nicht um die Konventionen einer Gesellschaft, die sie ohnehin ausschließt, und flieht nach Berlin. Dort lernt sie Böttger kennen, der bei dem Berliner Apotheker Friederich Zorn eine Lehre absolviert und sich zusammen mit dem Chemiker Johannes Kunckel intensiven alchimistischen Versuchen widmet.
Dass Böttger weit mehr in seine Experimente (und ein wenig in sich selbst) verliebt ist, entgeht ihr, denn sie erfährt zum ersten Mal, dass man ihr zärtlich und ohne Vorurteile begegnet.
Annalena folgt Böttger als er vor König Friedrich I. von Preußen ins kursächsische Wittenberg flieht und auch, als er dort festgesetzt, später auf Befehl Augusts des Starken nach Dresden verbracht wird. Sie findet nicht nur eine Anstellung bei Hof, sondern gewinnt auch mächtige Freunde – und macht sich einflussreiche Feinde!
Aber mehr werde ich hier keinesfalls preisgeben, denn Sie, liebe Leserinnen und geschätzte Leser, sollten DAS KRÄHENWEIB unbedingt selbst lesen. Und, keine Angst: Corina Bomanns Buch ist kein kitschiger, historisierender Frauenroman, sondern eine zarte Liebesgeschichte vor gut recherchiertem, faktenreich gezeichnetem Hintergrund und ein weit umfassenderes zeitgeschichtliches Gesellschaftsportrait als es einem gemeinhin im Genre der Histofiktion begegnet.
Gefühlvoll, spannend und traurig zugleich ist DAS KRÄHENWEIB ein Buch, das seine Leser berührt und nachdenklich zurücklässt. Weit mehr als eine Geschichte über eine starke Persönlichkeit, die gegen die Zwänge ihres Standes kämpft, ist dieser Roman vor allem eines: Absolut empfehlenswert!
--Annegret Wegener (05/2010)
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